Castaic Brasse – Der wohl edelste Joker unter den Hechtködern

Ein Bericht von Damian (ohne Wertung)

 

 

 

Die Story fing wohl ca. 1999 n.Chr. an, als ich Angel Ussat betrat und in dem blöden Vorführbecken eine Castaic Brasse am Karabiner hing. Christoph meinte dann „vergiss es, die ist viel zu teuer, läuft aber ENDGEIL“. Na dann, lass sehen.

Hätte man danach die nächsten 45min. gefilmt, hätte Damian auch gut als Behinderter in der Geschlossenen durch gehen können. Von links nach rechts, nach links, nach rechts nach links, nach Hause!

 

Abends im Bett: „Definitiv zu teuer! Fangen wird sie auch nicht mehr …….., aber an Tagen, wo nichts geht? Da wäre es doch….., ach quatsch, so viel Kohle für´n Stück Gummi! Bescheuert! …… Aber es wäre ein Köder, mit dem ich Christoph am Wasser demütigen könnte! ICH MUSS SIE HABEN, SCHEIß egal was es kostet….“

Nächsten Tag bei USSAT, wieder 45 min. links rechts, links rechts und immer dieser Gedanke 50 DM für´n stück Gummi mit Schaufel?! Das ist doch krank!

„Zahlst Du bar oder Karte?“ „Karte!“

 

Nun hatte ich die Superlative in der Tüte und das Kräftemessen mit Christophs Waffen könnte beginnen.

Unsere Austragungsorte: Holländische Polder! Wie tief sind sie? 1-2 Meter und wie tief läuft die Brasse geworfen? 1-2 Meter! „Astrein, jetzt wird Christoph bluten!“

Er war damals schon der Bombermän!

Hatte der Kerl eigentlich andere Köder dabei? Ich glaube nicht! Bomber hier, Bomber da und wenn nichts mehr ging, fing der Bomber trotzdem!

Kein Wunder, mir kam es so vor, als wenn der Bomber nur aus Drillingen bestehen würde! Da hat selbst ein Hechtembryo keine Chance auszuschlitzen!

Manchmal kam es mir echt hoch, als ich ihn wie so oft : “ja, ich hab einen“ hören musste! Die Frage, auf was, hätte ich mir sparen können! BOMBER!

Ich muss zugeben, ich habe bei jedem Hänger von Chris zu Gott gebeten, dass das Ding abreist!

 

Aber egal, heute war der Tag gekommen, wo ich seinen Pumpenköder vorführen werde, ich werde regelmäßig „ja“ aufschreien, jeden Fehlbiss verfluchen und er wird am ende des Tages still im Auto sitzen, nicht mit mir sprechen und ich werde dabei fröhlich zu jedem Lied im Radio vor mich her pfeifen. Ah was wird das schön!

 

Auftakt, 9 Uhr. Holland, Herbst, Wasser ist klar und beide Bügel klicken auf, die Köder fliegen an die Schilfkante am gegenüberliegenden Ufer.

Beim ersten Einkurbeln, spüre ich förmlich, wie die Brasse flankt, wie geschmeidig sie durchs Wasser gleitet, wie echt sie aussieht und muss nur ganz kurz an den hässlichen Bomber denken, der keine Ahnung was imitieren will.

Warte sehenssüchtig bis mir die Brasse näher kommt, damit ich sie in voller Pracht bis vor meine Füße führen darf und „ja! Hab einen!“

SHITT! DAS KANN DOCH NICHT WAR SEIN! Er hat einen!

Ich lass es mir nicht anmerken, könnte aber auf der Stelle explodieren, ihn ins Wasser schubsen und an den Bomber einen Chinaböller D dran heften! Das kann doch nicht war sein!

 

Sein leichtes Grinsen, bleibt in meinen Augen wie ein Standbild für die nächsten 2-3 Würfe bestehen und ich denke nur: „OK, kleine Brasse! Das war nur Glück! Es war Dein Nachläufer, der sich bei ihm aufgehängt hat! Keine Panik, der nächste Fisch, ist unser!“

 

Nach dem 0:4 überlege ich, ob ich meinen Bomber aus dem Kofferraum holen soll. Sein Grinsen geht aus meinen Augen nicht mehr weg! Er fängt an zu pfeifen!

 

Ok, ich suche Gründe für meinen Untergang und finde ruck zuck welche.

Die Brasse läuft zu tief! Das ist es! Ich sammle viel zu oft Dreck vom Boden auf, während der Typ mit dem Grinsen im Gesicht die Hechte kurz vor seinen Füßen aufsammelt!

 

„Christoph, lass uns hier abhauen, hier ist nichts mehr und viel zu flach!“

 

Ok, rein ins Auto, ich bin stink sauer und hoffe, dass er mich jetzt nicht dumm anquatscht!

Im Gegenteil, ich versuch übers Wetter zu reden!

 

Nächste Stelle, bis 1,5m tief. Wenn ich jetzt 1,2 Stück verwandele, dann kann ich evtl. noch den Ausgleich schaffen.

Die Köder flattern Richtung Uferkante. Seiner wieder präziser als meine Brasse, ist mir natürlich so was von egal und „Ja, ich hab einen!“

Mein Gesicht wird langsam rot, ich bleib aber ruhig. 0:5!

Ich fange an, Bodenkontakt als Bisse zu registrieren und frage mich immer wieder, wie teuer die Brasse noch mal war!

 

2. Tageshälfte:

Ich kurbele das Teil nur noch lustlos durch Wasser und gucke auf die Uhr.

Christophs Hänger sehen für mich wie Meterfische aus und seine aufgesammelten Stöcke, wie kl. Hechte. Ich dreh langsam durch!

Immer wieder nehme ich die Brasse in die Hand und suche verzweifelt nach Bissspuren! „Und, hattest Du einen Biss“ fragt er mich. „Ich glaub schon“ antworte ich, weiß aber genau, dass da nichts war! Ich hasse Angeln und ich hasse den Bomber!

 

Ich bleibe aber eisern, glaube an den späten Erfolg, an einen 90+ Fisch und fahre bei 0:6 nach Hause!

50 DM = 4 Bomber = 24:0 ?! Komische Rechnungen gehen mir durch den Kopf. Ich überlege den Köder bei USSAT umzutauschen.

 

 

Dies war also meine erste Erfahrung mit dem Superköder vom anderen Stern, der (Gott sein Dank) seine Stärken erst später unter Beweis stellte.

Heute weiß ich, was ich falsch gemacht habe, warum das Ergebnis so deutlich ausfiel. Christoph hat vorgelegt, hat an seinen Köder stets geglaubt und wusste mit dem Köder (der mit B anfängt) umzugehen. Ich dagegen hab mich verunsichern lassen, hab die Brasse viel zu tief geführt und war die zweite Tageshälfte fast abwesend!

Während er fast jeden Nachläufer vor den Füßen aufsammelte, musste ich das Kraut vom Haken lösen. Die Brasse lief bei mir quasi nur in den ersten 5 Metern. Das war eindeutig zu kurz.

Heute sieht die Bilanz viel besser aus. Ich fing mit ihr den ersten Meterhecht von uns beiden, konnte an manch einem Tag dem B Köder Paroli bieten und fing ein paar mal besser als er (was für eine Genugtuung!)

 

Die Brasse ist heute ca. 6 Jahre alt, hatte weit über 100 Hechte auf ihrem Konto und bereiste viele Länder! Seit gut 2 Jahren kommt sie nur noch als Ehrengast mit! Wurde von mir mehrfach operiert und beklebt. Sie lebt in einer eigenen Box, wird regelmäßig heiß gebadet und damit sie elastisch bleibt anschließend mit Massageöl eingerieben! ;-)

Meine Freundin hat mich für bescheuert erklärt und sieht es als Fremdgehen. Mir ist es egal, was sie denkt.

Wenn ich nach Schweden fahre, darf die Brasse den ersten Hecht landen. Dabei ist es immer wieder ein Drahtseilakt „hoffentlich verliere ich sie nicht, hoffentlich hält der Körper noch“.

 

Bomber kommen und gehen, die Brasse bleibt ;-)

 

 

Bericht von Damian